Sonntag, 24. Mai 2020

Meine Top 7 Lernmethoden für Online- und Präsenzformate
Blog-Serie zum Webinar

Teil 2: Der Buchstaben-Salat

Lernmethode und Aktivierung zugleich

Was sich zunächst nach einem netten Auflockerungs-Spielchen für zwischendurch anhört, entpuppt sich schließlich als eine wunderbare Lernmethode, die auch hervorragend im Online-Raum funktioniert.

Den TeilnehmerInnen werden einzelne Buchstaben präsentiert. Ihre Aufgabe ist es nun, die Buchstaben zu dem richtigen Begriff zusammenzusetzen.
Das kann man einfacher oder schwieriger gestalten. Einfacher ist es, wenn ich den Anfangsbuchstaben des Wortes verrate, indem ich ihn als Großbuchstaben oder in einer anderen Farbe zeige, oder auch, wenn ich die Zerlegung des Wortes so einfach gestalte, dass die Lösung schnell gefunden ist. Schwieriger ist es entsprechend andersherum.

Wann und wie kann ich den Buchstabensalat im didaktischen Prozess einsetzen

  • als Einstiegsmethode in ein neues Thema: durch die spielerische Auseinandersetzung mit den Wörtern werden relevante Begriffe gleich abgespeichert
  • als Methode zur Wiederholung gelernter (Fach-) Begriffe, z.B. zum Abschluss einer Lerneinheit
  • als Rechtschreibtraining im Online-Lerncoaching oder im Deutschunterricht

Lernen und Entspannen zugleich

Natürlich dient der Buchstabensalat auch zur oben schon erwähnten Auflockerung während einer Lerneinheit:
  • Mit ausgesuchten witzigen Begriffen (z.B. Film- oder Musiktiteln) lenkt er kurzzeitig vom spröden Lernstoff ab
  • er sorgt zwischendurch für Entspannung
  • das Gehirn gönnt sich eine kreative Pause
  • die kurzfristige Ablenkung sorgt für das Aufrechterhalten der Konzentration, was gerade in länger andauernden Online-Seminaren sehr wichtig ist.

Wie wird der Buchstabensalat im Online-Raum methodisch umgesetzt?

Ich schreibe die zerlegten Wörter gerne handschriftlich auf und füge sie dann als Bilder in meine Präsentationsfolien ein. Alternativ können auch Kärtchen mit Buchstaben beschrieben werden, durcheinandergewürfelt auf einer Unterlage angeordnet und abfotografiert werden.
Ebenso gut geht das natürlich mit vielen Zeichen-Apps.
Schön ist es, wenn die zerlegten Begriffe nach und nach eingeblendet werden und die TeilnehmerInnen ihre Lösung in den Chat schreiben, falls diese Funktion vorhanden ist. Am Ende sollten die Lösungen dann nochmals auf der Folie erscheinen, was gerade für die visuell geprägten Lerner wichtig ist.

Der Buchstabensalat ist also vielseitig einsetzbar, sowohl im Präsenz- als auch im Online-Format, macht Spaß, lockert auf und steigert dabei noch den Lerneffekt.
Aus TrainerInnen-Sicht finde ich ihn genau aus diesen Gründen eine willkommene Methode, vor allem auch, weil er schnell und unkompliziert vorbereitet werden kann.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie kreative Lernmethoden im Online-Raum gewinnbringend eingesetzt werden können, dann melde dich gerne wegen des nächsten Webinar-Termins!

Montag, 20. April 2020

Meine Top 7 Lernmethoden für Online- und Präsenzformate
Blog-Serie zum Webinar

Teil 1: Die Skala

Wertvolle Rückmeldung aus dem Teilnehmerkreis

Was wir aus dem Präsenztraining kennen und oft verwenden, sei es zur Stimmungsabfrage oder für eine inhaltliche Einschätzung, kommt im Online-Raum ebenso gut und wirkungsvoll zum Einsatz.
Eine einfache Skala von 0 bis 10 kann sowohl für Fragestellungen aus der Meta-Perspektive als auch für Detail-Fragen ein wertvolles Mittel sein, um eine Einschätzung seitens der TeilnehmerInnen zu bekommen.
Was ich an der Skala so sehr mag, ist, dass es eine nonverbale Methode ist. Teilnehmende, die gerade zu Beginn eines Workshops eher abwartend sind und nicht gerne sprechen, haben mit Hilfe der Skala die Möglichkeit, ihrer Meinung auch ohne Stimme Ausdruck zu geben. Als Trainer achte ich darauf, die richtige Fragestellung zu wählen, sodass ich die Antworten bekomme, die ich brauche, um den weiteren Kurs des Workshops zu bestimmen, also noch zielgerichteter auf die Bedürfnisse meiner Teilnehmenden eingehen zu können.

Welche Fragestellungen lassen sich mittels der Skala klären?

Da gibt es ganz vielfältige Möglichkeiten:

  • Wie motiviert bist du für diesen Kurs / für das heutige Coaching / für den Tag heute?
  • Wie bist du mit den Aufgaben seit dem letzten Mal zurecht gekommen?
  • Wie leicht oder schwer fällt dir diese Aufgabe?
  • Wie vertraut bist du mit Online-Methoden?
  • Wie geht es dir jetzt im Moment?
  • Wie sehr kannst du dir vorstellen, das neu Gelernte in deiner Arbeit umzusetzen?

Für Workshop-Teilnehmer, für Eltern, für Kinder, für mich selbst

Was im Workshop gut funktioniert, lässt sich übrigens auch wunderbar ins persönliche Umfeld übertragen. Die Skala eignet sich nämlich sehr gut als „Selbst-Coaching-Methode“. Wenn ich die Frage „Wie fühle ich mich heute?“ auf der Skala für mich mit 4-5 bewerten würde, dann verstehe ich vielleicht besser, warum die Produktivität an diesem Tag auf sich warten lässt. Gleichzeitig kann ich darüber nachdenken, was ich bräuchte, um von 4-5 auf 5-6 oder höher zu kommen.
Eltern empfehle ich die Arbeit mit der Skala zum Beispiel als Routine zur Einstimmung in die Hausaufgaben- und Lernzeit, sowie zur Reflexion gelernter Inhalte. Kinder lieben die Skala sehr, weil es ihnen oft schwer fällt, ihre Gefühle in Worte zu fassen oder weil sie im Moment einfach nicht reden wollen.

Was kann ich also auf der Skala abbilden?

  • Allgemeine Stimmung und Zustände (Motivation, Konzentration, Entspanntheit...)
  • Grad des Verständnis eines Themas
  • Grad der Vertrautheit mit einem Thema
  • Transfer eines Themas ins eigene Umfeld
Zu jeder beliebigen Kurs- oder Workshop-Phase ist die Skala für mich seit langem ein einfaches und wirkungsvolles Mittel, um das Wohlbefinden meiner TeilnehmerInnen, ihre Zustimmung oder Ablehnung, ihr Verständnis oder ihre Zweifel wahrzunehmen und daraus konkrete Aktionen abzuleiten – egal, ob im Einzel- oder Gruppensetting, ob im Onlineraum oder im Präsenzformat.

Wer mehr dazu wissen möchte, meldet sich gerne!

Dienstag, 14. April 2020

Meine Top 7 Lernmethoden für Online- und Präsenzformate
Blog-Serie zum Webinar

Wie bei vielen meiner Trainer-Kolleginnen und -kollegen liegen momentan, in der von Corona durcheinander gewirbelten Situation, die Präsenzcoachings und -trainings brach. Und andererseits kann da, wo Freiheit und Raum für Kreativität möglich ist, viel Neues entstehen.
Ich weiß noch gut, dass ich mir dachte – da waren wir kurz vor den Schulschließungen in der zweiten März-Woche: „Jetzt werden Online-Methoden ganz schnell ganz wichtig sein.“ Und habe spontan ein Lernmethodik-Webinar, das ich letztes Jahr für einen Kunden gehalten habe, ergänzt um Lernmethoden für den virtuellen Raum, habe es online gestellt, und die wenigen Plätze waren schnell ausgebucht.
In dem Webinar, das sich an Trainer, Coaches und Lehrpersonen richtet, stelle ich kreative Lernmethoden vor, die sowohl im Präsenz- als auch im Onlineraum einfach und schnell umsetzbar sind. Methoden, die den Lerneffekt steigern und zugleich Spaß machen. Es geht um Lernstrategien und Organisation, um die Stärkung innerer Ressourcen und ums Aktivieren von kreativem Potenzial. Dinge, die für nachhaltigen Lernerfolg entscheidend sind.
Die Resonanz auf dieses Webinar war sehr positiv und die Frage nach begleitendem Material wurde häufig gestellt. So habe ich entschieden, die im Webinar vorgestellten Lernmethoden als kurze Blog-Artikel zu veröffentlichen. Ich werde kurz und unwissenschaftlich erklären, was hinter dem Erfolg der einzelnen Methoden steht und vor allem werde ich beschreiben, wie ich sie sowohl im Präsenzformat (Coaching, Workshops) als auch im virtuellen Raum (Webinare, Onlinekurse) einsetze.

Ihr könnt also in den nächsten Wochen gespannt sein auf:

  1. die Skala
  2. den Buchstaben-Salat
  3. die ABC-Liste
  4. den "eigenen Mentor"
  5. die Geschichten-Technik
  6. das Memo-Board und
  7. den Erkenntnis-Baum.

Viel Spaß beim kreativen Austoben!

Wer sich noch für das nächste Webinar am 27.4. anmelden möchte, findet hier den Link.

Dienstag, 24. März 2020

Planungshilfe für den Heim-Unterricht in der "Corona-Zeit"

Überforderung macht sich breit

Von vielen Schülerinnen und Schülern und vor allem von Eltern höre und lese ich in den letzten Tagen, dass die Flut an Materialien aus der Schule, egal ob in Form von Arbeitsblätter-Paketen oder in digitaler Form, seit Anfang letzter Woche kein Ende nimmt. Kinder und Eltern sind regelrecht überfordert, zumindest wenn ich mal von mir selbst und meinem persönlichen Umfeld, mit dem ich gesprochen habe, ausgehe, aber auch von all dem, was man so in diversen sozialen Kanälen liest.
Was ich feststelle, ist, dass sich die Lehrkräfte viel Mühe geben, um Inhalte zu digitalisieren, zu sortieren und zu bestimmten regelmäßigen Zeiten zur Verfügung zu stellen. Was ich aber auch beobachte, ist, dass die Kids es natürlich überhaupt nicht gewöhnt sind, sich ihren Unterricht selbst zu organisieren. Es geht ja neuerdings nicht nur ums Abarbeiten von Arbeitsaufträgen, sondern um das selbständige Erarbeiten von Lernstoff. Das kommt also noch dazu. Somit wird es insgesamt an manchen Ecken einfach zu viel.

Ich bin mir fast sicher: hätten die Schulen ein paar Tage mehr Zeit gehabt, um sich auf die Situation vorzubereiten, hätten sich die Klassen-Lehrkräfte abgesprochen, wer an welchem Tag welche Art Material oder Auftrag online stellt. Nun war das aber kaum oder gar nicht möglich, mit dem Ergebnis, dass fast alles auf einmal kam und – wie in unserem Fall – Microsoft Teams geflutet war mit Wochenplänen, Lernkärtchen zum Ausdrucken, gescannten Arbeitsblättern, Hinweisen auf weiterführendes Material im Internet und aber, wie ich finde, auch wirklich netten und persönlichen Nachrichten von den Lehrkräften an die Kinder.
Meine 10jährige Tochter (5. Klasse) fand die neue Art der Aufgabenstellung anfangs ganz aufregend und freute sich über jede neue Nachricht, die in Microsoft Teams aufploppte. Die Freude wich allerdings sehr schnell ziemlich großem Frust und letztlich kompletter Resignation angesichts der Tatsache, dass so viel zusammengekommen war, dass sie überhaupt keinen Überblick mehr über die ganze Masse an unterschiedlichen Arbeitsaufträgen hatte.

Um ihr zu helfen und um vor allem zu verhindern, dass sie in Arbeitsverweigerung abdriftet (kein Witz, das kann ganz schnell gehen), habe ich kurzerhand am Beispiel meines eigenen Kanban-Boards, das neben meinem Schreibtisch hängt, eine Übersicht für sie erstellt. Das Kanban-Board ist eines meiner liebsten Planungs-Tools. Ich mag die Farben, die Reduzierung auf die nötigsten Worte, und ich mag vor allem das Hin- und Herschieben der Zettel. Und natürlich hilft es mir enorm bei der Selbstorganisation.


Wie funktioniert das Kanban-Board?

Für das Board meiner Tochter haben wir viele bunte Post-Its mit den einzelnen Arbeitsaufträgen beschriftet und festgestellt, dass die linke Spalte für all die To Do’s längst nicht ausreicht. Da musste noch ein Teil der zweiten Spalte herhalten. Das sah dann so aus wie auf diesem Bild:

Pinkfarbene Post-Its enthalten dringende Aufgaben. Weniger dringende landeten auf einem blauen Zettel.


Was gehört in die einzelnen Spalten?

Zu dem Zeitpunkt, an dem das Bild oben entstanden ist, war die Verzweiflung auf Tochter-Seite noch sehr groß. Ab dem Moment, da die Zettelchen alle am Board hingen, war klar, wie viel noch zu tun ist. Dazu muss ich sagen, dass ich mir und uns die Freiheit genommen habe, einige Aufgaben großzügig auszusortieren. Alles ging und geht einfach nicht.

Aber immerhin war ein bisschen Licht ins Dunkel gekommen. Wir haben uns seitdem jeden Morgen Zeit genommen, das Board anzuschauen und 3-5 Zettelchen auszuwählen, die am Vormittag erledigt werden konnten. Dabei habe ich es meiner Tochter überlassen, abzuwägen, wie lange welche Aufgabe dauern könnte und worauf sie am ehesten Lust hat. Am Nachmittag gab es nochmal eine Runde. Das Schönste war, wenn ein Zettelchen von ganz links nach ganz rechts wandern durfte. Das ist ungefähr dasselbe befriedigende Gefühl, als wenn To Do's auf einer To-To-Liste abgehakt werden.

Wie geht es weiter?

Heute, am ersten Tag der Woche 2, habe ich erstmal ein klares Verbot ausgesprochen, als es darum ging, nach neuen Wochen-Aufgaben in Teams zu schauen. Das Ziel ist jetzt erstmal, Woche 1 einigermaßen abzuarbeiten. Dabei wird sicher noch das eine oder andere unter den Tisch fallen dürfen :) und das ist auch völlig ok so. (Übrigens hatten auch manche Lehrkräfte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht jede einzelne Aufgabe erledigt werden muss. Aber einem an sich gewissenhaften Kind so wie meinem fällt das alles andere als leicht...)

Meiner Tochter geht es jetzt wieder gut, und sie hat das Gefühl, die Kontrolle wieder etwas zurück gewonnen zu haben. Diese Sicherheit ist etwas, das beim Lernen extrem wichtig ist. Wie gesagt: Wenn alles zu viel wird, dann macht man irgendwann gar nichts mehr.

Übrigens: Mathe hatte tatsächlich ein eigenes Board bekommen. Aber auch da sieht es jetzt inzwischen schon besser aus.


Fazit nach ein paar Tagen

Mit Hilfe dieses einfach bedienbaren Tools können die Kinder ihre Aufgaben organisieren und abhaken. Anfangs müsst ihr Eltern vielleicht ein bisschen helfen, aber mit der Zeit schaffen die Kids das alleine, und vielleicht macht es ihnen sogar Spaß. Uns hat es jedenfalls geholfen, dass der große Haufen Frust Schritt für Schritt abgebaut werden konnte.

Gelassenheit ist nach wie vor das ganz große Zauberwort, und die Kunst, gelassen bleiben zu können, wird uns wohl noch ein Weilchen begleiten.

Wichtiger als jeder pinkfarbene oder blaue Zettel ist, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben. Sie haben ihre ganz eigenen kleinen und großen Ängste in dieser chaotischen und zugleich seltsamen Zeit. Wie man als Eltern damit gut umgehen kann, beschreibe ich in einem meiner nächsten Artikel.

Viel Spaß beim Experimentieren mit dem Board!

Samstag, 14. März 2020

Unterricht zuhause - Zerreißprobe oder Chance für neue Formen des Lernens?


#Corona-“Ferien“: Ich bin schon sehr gespannt, was da ab nächster Woche alles auf uns zukommt. Meine Kinder, 10 und 14 Jahre alt, werden – so der Elternbrief der Schule – ab Montag mit digitalem Unterrichtsmaterial versorgt. Der Zugang über Microsoft Teams ist eingerichtet, und ich persönlich würde mich ja sehr freuen, wenn wir jetzt die Gelegenheit haben, die großartigen Möglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers mal auszuprobieren. Jedoch stehen viele Eltern jetzt vor der großen Herausforderung, nicht nur die Betreuung für ihre Kinder zu organisieren, sondern dann auch noch das Lernen zu beaufsichtigen oder zumindest zu begleiten. Was sich jetzt für die Kids noch aufregend anhört, wird, so denke ich, bald zu einer täglichen Disziplinprobe. Und für uns Eltern wird es dadurch auf keinen Fall leichter.

Tipps für die Lernbegleitung zuhause

Daher habe ich hier ein paar Lernbegleitungs-Basics zusammengestellt. Denn als Lerncoach konnte ich in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen sammeln, wie Eltern ihre Kinder bei Hausaufgaben und Lernen unterstützen können, und wie Kinder es schaffen, Schritt für Schritt zum eigenständigen Lernen zu kommen und wie bei all dem die Familienharmonie einigermaßen aufrecht erhalten werden kann.

Ein bisschen offen ist die Sache ja noch, weil bei uns persönlich noch gar nicht klar ist, in welcher Form und Menge die digitalen Materialien bei den Kindern ankommen. Sind es eingescannte Arbeitsblätter zum Ausfüllen und das Lösungsblatt kommt am Tag darauf? Sind es Arbeitsaufträge à la „Arbeitet Kapitel 3 im Buch durch und beantwortet Fragen Nr. 2-4“? Oder wird es sogar Live-Unterricht via Videokonferenz geben?

Wir sind wirklich gespannt.

Hier kommen ein paar erste Tipps, mit denen ihr die Anfänge des Abenteuers schon mal gut bewältigen könnt. Diese Tipps habe ich übrigens schon mit meinen Kindern besprochen, und sie waren, zumindest jetzt noch, einverstanden. Und damit hat auch schon der erste Tipp zu tun:

Selbstbestimmt lernen

Fragt mal eure Kinder, wie sie sich die nächsten Wochen vorstellen. Auch wenn zuerst noch sowas wie „Chillen – wir haben doch frei!“ kommt, glaube ich, dass sie über kurz oder lang auch merken würden, dass ihnen ein bisschen Struktur fehlt ;) Aber während sie in der Schule an die dort herrschenden Regeln gebunden sind, haben sie zuhause nun doch die Möglichkeit, etwas selbstbestimmter zu arbeiten: mit welchem Fach fange ich an? Lese ich mir das jetzt zuerst durch und löse die Aufgaben später? Arbeite ich 20 Minuten oder eine halbe Stunde? Beantworte ich die Fragen zusammen mit meiner Freundin im Videochat? Daraus erstellen sie ihren eigenen kleinen Plan und legen damit erstmal los. Wir Eltern beobachten mal, wie das läuft, und bieten unsere Unterstützung an, wenn sie uns brauchen.

Feste Lernzeiten

Eine feste Lern- und Arbeitszeit von z.B. 10 -12 Uhr vormittags und nochmal von 14-15 Uhr nachmittags fühlt sich in meiner Vorstellung (ohne dass wir das nun schon ausprobiert haben und ohne zu wissen, welche Menge sie zu bearbeiten haben) ganz gut an. Aussagen wie „Ich mach das später“ können Ausnahmen sein, aber nicht die Regel. Natürlich hängen die Zeiten mitunter auch davon ab, wie die Aufgaben seitens der Lehrkräfte gestellt werden. Ich persönlich habe vor, meinen Kindern eine Art „Sprechstunde“ anzubieten, vielleicht am späten Nachmittag, in der ich bei bestimmten Aufgaben, die sie alleine nicht lösen konnten, unterstütze und in der wir offene Fragen gemeinsam klären. So verhindere ich, dass ich während meiner eigenen Arbeitszeit ständig um Hilfe gebeten werde und gebe den Kindern trotzdem die Sicherheit, dass sie mit meiner Hilfe rechnen können. Das wäre auch eine gute Gelegenheit für das Üben von....

Planung

Ich weiß von manchen Grundschulkindern, dass sie von ihrer Lehrkraft ein ganzes Paket an Arbeitsaufträgen per e-mail erhalten haben oder noch erhalten werden. Viele Schüler sind von so einem Paket sicher erstmal überfordert. Vielleicht enthält das Paket bereits Empfehlungen, an welchem Tag welche Aufgaben erledigt werden sollten, oder es bleibt den Schülern selbst überlassen und es gibt nur einen Abgabetermin. In jedem Fall bietet es sich an, gemeinsam die ganze Stoffmenge anzuschauen und in leicht verdauliche Päckchen einzuteilen. Welches Fach mache ich an welchem Tag? Welche Aufgaben soll ich bis wann an die Lehrkraft zurückschicken? Welche Fächer passen für mich gut zusammen und können nacheinander erledigt werden? Welche Art Aufgaben löse ich zuerst, welche mache ich später? Lasst die Kinder ihre Päckchen am besten aufmalen. So haben sie beim Abarbeiten eine visuelle Unterstützung und können erledigte Aufgaben abhaken. Das ist eine gute Chance, zu beobachten, was und wie viel sich das Kind auf einmal zutraut , und dadurch kann es lernen, sich selbst besser einzuschätzen.

Online mit Freunden lernen

Über FaceTime, WhatsApp-Video oder andere Online-Tools haben unsere Kids jetzt die Gelegenheit, gemeinsam mit ihren Freunden bestimmte Aufgaben zu bearbeiten. Buchkapitel können gegenseitig vorgelesen werden. Vokabeln können abwechselnd abgefragt werden. Auch Mathe-Aufgaben können gemeinsam gelöst werden: man gibt sich ein paar Minuten Zeit und vergleicht dann direkt den Rechenweg und das Ergebnis. Und wenn währenddessen ein bisschen gealbert und gechattet wird, macht das überhaupt nichts. Schließlich machen sie das in der Schule mit ihren Banknachbarn auch während des Unterrichts. Und es hilft dabei, motiviert zu bleiben.

"Spaß-Lernen"

Oft genug – leider – höre ich von meinen Kindern im normalen Schulalltag, dass sie nicht verstehen, warum sie einen bestimmten Inhalt lernen sollen. Sie verstehen den Sinn dahinter einfach nicht, und ehrlich gesagt, haben wir Eltern auch nicht immer eine Antwort darauf. Ich habe meinen Kindern vorgeschlagen, ob wir die nächsten Wochen nicht auch dazu nutzen wollen, dass sie Dinge lernen, die sie wirklich interessieren und für die normalerweise aber einfach die Zeit nicht reicht. Das Kind wollte schon immer mehr über schwarze Löcher im All erfahren? Über die Herstellung von Smartphones? Übers Klima? Wunderbar, dann ist jetzt die Gelegenheit dazu, sich alle paar Tage mal ganz ungezwungen für 10-15 Minuten mit diesen Themen zu beschäftigen. Und zwar auf die Art, die unsere Kinder für sich als sinnvoll erachten: über Artikel im Internet, YouTube-Videos, Bücher, Kinder-Podcasts... es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, die wir im normalen Alltag gar nicht nutzen können. Abends kann man gemeinsam darüber sprechen. So stellt sich auch gleich ein Lerneffekt ein, und die Kinder können selbst entscheiden, ob sie noch weiter in das Thema eintauchen wollen oder sich ein neues suchen.

Die Zeit wird in den nächsten Wochen unsere größte Herausforderung sein, ...

... das ist ganz klar. Und damit meine ich sowohl die zusätzliche freie Zeit, die unsere Kinder jetzt haben (O-Ton meiner 14jährigen Tochter heute Morgen: „Ich habe Angst, dass ich einen Koller kriege!“), als auch die Zeit, die wir Eltern eben nicht haben werden, um den Lernprozess unserer Kinder regelmäßig und entspannt zu begleiten. Dennoch: geben wir uns selbst und den Kindern die Chance, dass das Ganze erfolgreich sein darf.

Vor allem sind mir die folgenden drei Dinge besonders wichtig, sowohl in meiner Rolle als Mama als auch aus meiner Erfahrung als Lerncoach heraus:

Zeit geben

Die Situation ist für uns alle neu. Ein paar holprige Startschwierigkeiten dürfen drin sein. Wir brauchen Zeit, um uns an neue Formen des Lernens zu gewöhnen und herauszufinden, was uns Spaß macht und was nicht, was gut funktioniert und was nicht. Druck auszuüben – und damit meine ich auch den Erwartungsdruck an uns selbst - wäre jetzt sicher unangebracht.

Vertrauen haben

In unseren Kindern steckt so viel kreatives Potenzial. Erlauben wir ihnen, zumindest ansatzweise selbst herauszufinden, wie sie gerne lernen – unter unserer Begleitung. Vieles darf auch einfach mal ausprobiert werden. Wenn möglich, nehmen wir uns auch die Zeit, gemeinsam mit den Kindern zu reflektieren, wie es ihnen beim eigenständigen Lernen ergeht.

Gelassen bleiben

Es wird spannend, wie wir alle mit der Gesamtsituation umgehen werden. Die besten Tipps werden es nicht verhindern können, dass wir zwischendrin mal angespannt sind, um nicht zu sagen, nahe am Ausrasten ;) Da hilft nur durchatmen und sich bewusst werden, dass wir an der Lage nichts ändern können. Und dass wir froh sein können, wenn wir durch die ergriffenen Maßnahmen hoffentlich gesund bleiben.
Habt ihr noch weitere Tipps? Oder Fragen? Meldet euch gerne.

Lerncoachings und Elternberatungen führe ich auch gerne online durch. Und ein Erstgespräch biete ich bis zum Beginn der Osterferien Anfang April kostenfrei an :)